Ebenfalls startete im Herbst 2020 ein Demoflächenversuch zur standortoptimierten Bodenkalkung. Die Ziele sind hier, die Wasseraufnahmefähigkeit und damit die Regenverdaulichkeit der Ackerböden langfristig und dauerhaft zu verbessern. Schließlich ist der beste Schutz vor Erosion und Sturzfluten erst gar keinen oder zumindest nur einen geringen Oberflächenabfluss entstehen zu lassen.
Seit rd. sechs Jahren werden auf drei unterschiedlichen Versuchsstandorten jeweils vier Kalkungsvarianten getestet: je eine Mischung aus Dolomit-, Gips und kohlensauren Kalk nach Empfehlung der Bodenanalyse im direkten Vergleich mit einem Alternativprodukt aus kostengünstigerem regionalem Kalkdünger, eine Branntkalkvariante mit einfacher und doppelter Aufwandsmenge sowie schließlich eine Kalkungsvariante nach VDLUFA-Empfehlung (Erhaltungskalkung).
Bei diesem mehrjährigen Kalkungsversuch stellen die örtlichen Landwirte nicht nur ihre Flächen zur Verfügung, sondern sie arbeiten selbst engagiert am Feldversuch mit. Schließlich beobachten die Flächenbewirtschafter im Kahlgrund schon seit Jahren eine hohe Erosionsanfälligkeit bzw. eine geringe Wasseraufnahmefähigkeit ihrer Ackerböden trotz konsequenten Zwischenfruchtanbaus, pflugloser Bodenbearbeitung und regelmäßiger Bodenkalkung nach VDLUFA-Empfehlung.
Erst die umfangreiche Bodenanalyse auf den Versuchsparzellen einschl. der Bestimmung der Kationenaustauschkapazität brachten hier „Licht ins Dunkel“ und eine Erklärung für die schlechte Regenverdaulichkeit der Ackergrundstücke. Demzufolge liegt es an der hohen Magnesiumkonzentration im Unterboden, weshalb die Böden dichtlagen und nur über eine geringe Wasseraufnahmefähigkeit verfügen. Gerade das jahrelange, wiederholte Ausbringen von Magnesium-haltigen, regional verfügbaren Mineralkalk in Verbindung mit den geogen bedingten hohen Magnesiumgehalten in der anstehenden Gneisverwitterung hat die unbefriedigende Situation weiter verschärft. Die Standardbodenuntersuchung nach VDLUFA, die beim der pH-Wert nicht zwischen Ca und Mg differenziert, hat somit eine gute Calcium-Versorgung nur vorgetäuscht! Die ungünstigen Struktureigenschaften der vorherrschenden dichtlagernden und luftarmen Magnesiumtone blieben dagegen gänzlich unberücksichtigt!
Stand heute
Wo stehen wir jetzt nach fünf Jahren konsequenter Bodenkalkung mit Mg-armen Mineralkalk? Leider noch nicht dort, wo wir hinwollen oder anders formuliert: die Richtung stimmt, die Geschwindigkeit jedoch nicht oder besser noch nicht!
Zwar hat der Ca-Anteil an der potenziellen Austauschkapazität auf allen Versuchsparzellen mit Ausnahme der LUFA-Variante zugenommen und Mg wurde verdrängt, aber selbst die favorisierte standortgerechte Düngungsvariante aus Dolomit, Gips uns kohlensauren Kalk (DGC) liegt noch deutlich unter der angestrebten Ca-Sättigung von 70 bis 80 %. Somit konnte eine signifikant verbesserte Regenverdaulichkeit der Böden bisher zumindest noch nicht beobachtet werden.
Dass man über das Ziel der Magnesiumverdrängung auch hinausschießen kann, zeigt dagegen die Branntkalkvariante. Hier wurde zu viel Mg herausgelöst, was die Bodenstruktur zumindest nicht verbessert hat, aber in der Pflanzenernährung schnell zum Mangel werden kann.
Ausblick:
Mit dem gestiegenen Ca-Anteil hat sich auch der Humusgehalt im Boden erhöht – ein Trend, den es bei der Fortführung des Versuchs aufzugreifen gilt. So werden in den nächsten beiden Jahren neben einer erhöhten DGC-Gabe, zukünftig größere Biokompostmengen auf allen Versuchsparzellen ausgebracht. Hierdurch soll die Bildung stabiler Ton-Humuskomplexe gefördert und somit die Bodenstruktur sowie die Wasserspeicherung verbessert werden.
Wegfallen wird die LUFA-Variante mit regionalem Dolomitkalk, da hiermit die ungünstige Bodenstruktur – wie zuvor ausgeführt – nur noch weiter zementiert wird. Neu angelegt wird stattdessen eine Versuchsparzelle aus kohlensaurem Kalk mit geringem Mg-Anteil.
Ebenfalls entfällt die Meliorationskalkung mit Branntkalk. Diese wird durch eine Düngungsvariante aus Dolomitkalk mit viel CaCO3 und wenig MgCO3 ersetzt.
Weiter fortgeführt werden die beiden favorisierten DGC-Düngungs-varianten nach Empfehlung der Bodenanalyse sowie einem kostengünstigeren Nachbauprodukt aus regionalen Kalkdünger – beide allerdings mit deutlich erhöhten Ausbringungsmengen.
Nimmt man das Ziel „Schwammlandschaft“ ernst, muss gerade vor dem Hintergrund der im Sommer 2026 aufgetretenen langanhaltenden Dürreperioden und zunehmenden Starkregenereignisse dringend an der besseren Regenverdaulichkeit und Wasserspeicherung unserer Böden gearbeitet werden. Hier kann unser Kalkungsversuch wichtige Erkenntnisse liefern und dazu beitragen, eine nicht standortangepasste falsche Kalkdüngung zu unterlassen bzw. zu korrigieren.
So gesehen bleibt es weiterhin interessant und spannend in unserem b:s-Projekt ILE Kahlgrund-Spessart.