27.06.26
Der DWD misst in München eine Höchsttemperatur von 37,6 °C, der Folgetag wird mit 36 °C etwas kühler.
29.06.26, 20:19 Uhr
Anruf aus München: „Es regnet so, wie ich es noch nicht erlebt habe, auch mit Hagelkörnern.“ – „Ich seh’s im Radar. Ihr habt eine Lila-Warnung des Wetterdienstes.“
29.06.26, 20:39 Uhr
„Es hört aber auch nicht auf.“ – „Dauert nach Radarprognose auch noch mindestens 20 Minuten“.
29.06.26, 20:48 Uhr
„Ist jetzt nicht mehr so stark.“ – „War wohl nicht so schlimm. Nach Radar bis 30 l/m². Dafür sattle ich noch nicht die Hühner für einen Ausritt.“ Die Station des DWD misst 33,9 mm.
30.06.26, 18:30 Uhr
Ich korrigiere mich: Zwei Stationen haben um 50m l/m² gemessen.
Die genannten Messtationen, die um 50 l/m² gemessen haben, sind aus dem Messnetz der semiprofessionellen Davis-Stationen, von denen es im Münchner Stadtgebiet einige gibt. Über ihre Aufstellung ist nichts bekannt, nicht alle Aufstellungen werden den Standards entsprechen. Aber es war doch mehr als ein einmaliger Zufall, dass 2 Mal um 50 mm ausgegeben wurden. Andere lagen allerdings bei etwa 20 mm. Die Radardaten (Aufsummierung über 24 Stunden) ergaben nun ebenfalls ein Bild von kleinen Zellen mit bis zu 50 mm Niederschlag. Wenige 100 m entfernt flachte die Niederschlagsmenge rasch auf etwa 20 mm ab. Mit etwas zusammengekniffenen Augen und ausreichendem Abstand betrachtet, lassen sich Radar- und Bodenmessung also in Einklang bringen: Kleine Zellen mit Niederschlägen um 50 mm, drumherum nicht viel mehr als 20 mm. Soweit passen die Daten zusammen.
Oftmals muss man die tatsächlichen Niederschläge sehr kleiner Einzugsgebiete rekonstruieren, weil es zu diesen Gebieten kaum andere empirische Daten gibt. Denn so lassen sich am ehesten belastbar Schadenspotentiale erfassen oder Maßnahmen zur Schadensvermeidung ableiten. Punktmessungen alleine eignen sich dabei wenig zur Extrapolation auf ganze Einzugsgebiete. Radarmessungen bilden die kleinräumige Variabilität des Geschehens wesentlich besser ab. Aber die Ergebnisse können, das zeigt auch der Niederschlag vom 29.06.26, im Detail erheblich abweichen, und zwar in diesem Fall um bis 40 %. Auffällig ist, dass die hohen Abweichungen bei den größeren Niederschlagsmengen zu verzeichnen sind und die Punktmessungen in diesen Fällen über den Radarmessungen liegen. Immerhin gibt es meist einen Überschneidungsbereich zwischen den Messverfahren, wenn man den Messfehler in der früher vorgeschlagenen Art berücksichtigt. Der Einzelfall, in dem es bei den hier verglichenen Werten innerhalb der Fehlertoleranzen keine Überschneidung gab, mag mit der (unbekannten) Aufstellung des Bodengerätes zu erklären sein. Allerdings werden bei der vorgenommenen Fehlerschätzung die Radardaten sehr unscharf, weil sich die Regenmengen benachbarter Zellen erheblich unterscheiden. Greift man hier „daneben“, bewertet man die Jährlichkeit möglicherweise sehr falsch.
Praktisch bedeutet das: Zur Rekonstruktion vergangener Ereignisse in sehr kleinen Einzugsgebieten sind die Radardaten zwar die besten Quelle. Sie stehen aber im Verdacht, Starkregen zu unterschätzen und sollten - soweit möglich - durch örtliche, auch qualitative Erfahrungen („in Richtung X war’s besonders schlimm) und Messungen (auch durch einfache Regenmesser: „Bauerngartenpflanzen“) plausibilisiert werden, um ihren möglichen Fehler einzugrenzen.